Aber nicht doch!

Sprache beeinflusst unser Denken – das ist inzwischen erwiesen. Getreu dem Motto „Zeig mir wie du sprichst und ich sag‘ dir wer du bist!“ gibt es viele Indizien, die Rückschlüsse auf den Gesprächspartner erlauben.

21. August 2017

So führen Menschen, die in der Lage sind, sich klar und präzise auszudrücken, meistens ein geordnetes Leben. Pessimisten sprechen überwiegend negative Sätze aus und die „Macher“ dieser Welt vermeiden passive Konstruktionen.

Dies geschieht meistens unbewusst, denn die Geisteshaltung und Lebensphilosophie drückt sich ohne unser Zutun auch in unserer Sprache aus.

Allerdings bedeutet das auch nicht, dass jede negative Äußerung ein Hinweis auf den Pessimisten im Schafspelz ist. Das ist natürlich falsch und zu einfach gedacht.

Wohlwissend, dass sprachliche Negationen das menschliche Hirn verwirren und gar verlangsamen, raten Experten dazu, Aussagen positiv zu formulieren. Vor allem Kinder und Menschen mit sprachlichen Einschränkungen – sei es durch Migration oder Behinderung – tun sich mit den „Neins“ und „Nichts“ unserer Sprache schwer.

Unser Gehirn setzt die Sprache entsprechend den Wörtern um. Sagen Sie zu jemanden „Denke an einen blauen Elefanten!“ so wird er genau jenen blauen Dickhäuter vor seinem inneren Auge sehen. Sagen Sie jedoch „Denke nicht an einen blauen Elefanten!“ bleibt das Ergebnis gleich, denn das kleine Wörtchen „nicht“ verwirrt nur das Gehirn und kann nicht umgesetzt werden. Ein „nicht“ kann nur in Verbindung mit anderen Wörtern existieren. Es löst jedoch die anderen Wörter nicht auf, sondern will ihre Wirkung oder Eigenschaften umkehren. Dafür muss das Gehirn aber erst eben diese Eigenschaften erfassen. So entstehen Bilder im Kopf, die das Gehirn erst wieder mühsam umkehren muss.

Wer einem Kind sagt „Lauf nicht auf die Straße!“ zaubert zuerst Bilder von „Laufen auf der Straße“ in den kindlichen Kopf. So läuft das Kind buchstäblich Gefahr, auf die Straße zu laufen. Es wird gewissermaßen sprachlich sogar dazu ermutigt.

Besser ist es doch, dem Kind zu sagen, was eigentlich gemeint ist: „Bleibe auf dem Gehweg!“. Wer Scherben nach dem Satz „Lass das Glas nicht fallen!“ vermeiden möchte, sollte lieber „Halte das Glas fest!“ sagen.

Zu den Schwierigkeiten um „nicht“ und „Nein“ gehört auch die Problematik, was genau eigentlich negiert werden soll. „Der Mann hat nicht mit dem Ball die Scheibe zerschossen!“ (Er benutzte ein Luftgewehr!) hat eine andere Bedeutung als „Nicht der Mann hat mit dem Ball die Scheibe zerschossen!“ (Es war die Frau!) oder „Der Mann hat mit dem Ball nicht die Scheibe zerschossen!“ (sondern den Zaun). Kein Wunder, dass hier die grauen Zellen erst mal Luft holen müssen, um nachzudenken, was überhaupt gemeint ist.

Bis zu 400 Millisekunden braucht das Gehirn länger, um „falsche“ Sätze zu verarbeiten, berichten Psycholinguisten der Universität Bielefeld.(1)

Spannend sind vor allem die doppelten Verneinungen. Wer ein Geschenk mit den Worten „Das ist doch nicht unnötig!“ entgegennimmt, kann sich des fragenden Blickes des Geschenkgebers gewiss sein.

Natürlich hat die Negation ihre Berechtigung. Auf die Frage „Ist die Erde eine Scheibe?“ kann wahrheitsgemäß kein „Ja!“ sondern nur ein klares „Nein!“ erfolgen. Die Möglichkeit, etwas zu verneinen, muss gegeben sein. „Papa, darf ich heute Abend in die Disco?“ kann vom Vater positiv oder negativ beschieden werden. Ein knappes „Nein!“ beendet das Thema, während ein positiv formuliertes „Du bleibst heute Abend hier!“ vermutlich die Diskussion erst recht in Gang setzt.

Das „Nein“ hat durchaus seine Berechtigung. Diese liegt in der Bejahung, denn die Verneinung braucht mehr als alles andere ihren angemessenen Platz. Und diesen erhält sie einzig und allein aus der Bejahung.

Ist sie vorhanden, dann ist die Verneinung ein wichtiges Instrument. Sie schützt die Bejahung und gibt ihr Raum zur Entfaltung. Fehlt das "Ja", dann schneidet die Verneinung uns ab von allem, das wir für ein glückliches Leben brauchen.

Wer also mehr Freude im Leben haben möchte, sollte sich nach Möglichkeit für die positiven Aussagen entscheiden. Und nicht für das Nein!


  1. http://derstandard.at/1234507054540/Ein-Nein-im-Satz-verwirrt-das-Gehirn, heruntergeladen am 30.10.2014

Copyright (c) 2017, Astrid Weidner, TriMentor
Nachdruck oder Verbreitung nur mit Genehmigung durch die Autorin / Reprint or distribution with author's permission only. Verlinkung erlaubt / Link permitted:
https://www.trimentor.de/aktuell/aktuell-2017-08-21-aber-nicht-doch

Alle Neuigkeiten im Überblick

zur Übersicht