Sprachliche Stolpersteine verhindern erfolgreiche Dialoge

Die Mehrzahl der Menschen denkt nur selten an die Wirkung ihres Sprachgebrauchs. Dabei gibt es viele Elemente unserer Sprache, deren Wirkung wir nicht mehr spüren und die erfolgreiche Dialoge verhindern.

6. April 2018

Wer mit klaren Botschaften spricht, erhöht seine Präsenz und zeigt wohltuende Wertschätzung für seine Gesprächspartner.

Den sprachlichen Stolpersteinen und Verhinderer erfolgreicher Dialoge auf die Spur zu kommen ist schwer, denn es handelt sich um weitverbreitete Sprachmuster, die bei vielen Menschen einen festen Platz im Sprachgebrauch haben. Dabei können sie eine jähe Wirkung auf den Angesprochenen und den Sprecher entfalten.

Zehn dieser Stolpersteine haben wir für Sie hier zusammengetragen.

  1. „Müssen“ ist der sprachliche Auslöser für Druck und Zwang im Gespräch und folglich auch beim Handeln. Bei Sprechern mit exzessiver „Müssen“-Verwendung ist Zwang oft ein Lebensthema. Dabei gibt es viele gute Alternativen.

  2. Füllwörter wie „mal“ und „kurz“ lösen Hetze aus. Diese Stressoren vermitteln auch eine gefühlte Form der Abwertung und verwässern die Aussage. Sie schwächen die Präsenz des Sprechers und lassen nur wenig Wertschätzung beim Gegenüber ankommen. Zudem verschleiern sie die eigentliche Botschaft und weisen auf Unsicherheiten hin.

  3. „Man“ bringt das Unpersönliche ins Spiel und verhindert die Übernahme von Verantwortung. Wer sich hinter „man“ versteckt wertet sich selbst ab und nimmt alles Persönliche und Menschen bewegende aus dem Spiel.

  4. Falsche Superlative nehmen die Ernsthaftigkeit und Seriosität aus dem Gesprochenen. Sie sind der „sprachliche SuperGAU“.

  5. Der Verlust der grammatikalischen Zeiten wie zum Beispiel des Präteritums komprimiert die Spanne der Zeit und des Seins. „Er hat uns die Wohnung gekündigt.“ spricht die Hoffnung aus, dass es doch noch eine Chance gibt, dort wohnen zu bleiben. „Er kündigte uns die Wohnung.“ ist eindeutig und abgeschlossen. Hier lässt der Sprecher das Ereignis eindeutig hinter sich. Es ist Geschichte.

  6. Der falsch eingesetzte Konjunktiv II führt auf Irrwegen in das Irreale. Er verhindert die Umsetzung von Zielen und hemmt das erfolgreiche Handeln des Sprechers in der Realität.

  7. Die fehlende Pause am Ende jedes Satzes verwirrt und überfordert. Wer wortwörtlich „ohne Punkt und Komma“ spricht, vermindert die Aufmerksamkeit seiner Gesprächspartner und verliert letztendlich seine Zuhörer im sprachlichen Dickicht. Ein pausenloser Sprecher stresst sich zudem selbst.

  8. Passive Satzkonstruktionen laden zur Opferhaltung ein. Zudem verschleiern sie den wahren Täter und legen den Fokus mehr auf die Tat als auf die Handelnden. Das Passiv trennt den Verursacher von der Verantwortung und bringt die Handelnden um Erfolg und Ernte.

  9. Ein „Nein“ verwirrt das Gehirn. Studien belegen die Vorteile der positiven Sprache. Auch negative Vor- und Nachsilben sowie ein verneinender Satzbau komplizieren das Verständnis.

  10. „Weil“ löst einen gefühlten Druck zur Rechtfertigung aus. Wer mit „weil“ spricht, versucht sich sprachlich zu rehabilitieren.

Sicher haben Sie beim Lesen gemerkt, dass auch Sie über einige dieser Punkte sprachlich stolpern. Fast jeder Sprecher hat diese Sprachmuster – in verschiedenen Ausprägungen – in Gebrauch.

Doch wie vermeiden Sie diese sprachlichen Stolpersteine? Wie erhöhen Sie Klarheit und Präsenz durch sprachlichen Wandel?

Nehmen Sie zuerst den Sprachgebrauch anderer wahr und spüren Sie, wie sich deren Sprachgebrauch auf den Angesprochenen (das sind eventuell Sie selbst) und auf den Sprecher auswirkt. Spüren Sie dessen Kraftentfaltung.

Erst wenn Sie wahrnehmen, wie der Sprachgebrauch anderer wirkt, richten Sie den Blick nach innen und spüren der Wirkung Ihres eigenen Sprechens auf andere und vor allem auch auf sich selbst nach.

Leiten Sie kleine, nachhaltige Schritte zur Umsetzung des Wandels ein. Konzentrieren Sie sich jeweils auf einen Aspekt Ihrer Sprache. Fangen Sie mit Ihrer eigenen Wortwahl an. Korrigieren Sie nur bei sich selbst, nicht bei anderen.

Betrachten Sie danach Ihre Grammatik, Ihre Artikulation, Satzmelodie und so weiter. In unseren Sprachseminaren „Sprache formt Wirklichkeit“ gehen wir auf diese und weitere Sprachelemente wie Sprechgeschwindigkeit, Pausensetzung, Mimik und Gestik ein.

Nähere Informationen zu unseren Sprachseminaren "Sprache formt Wirklichkeit" finden Sie hier.


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