Was ist das Therapieziel?

Manche Menschen rufen am Jahresende gemachte Erfahrungen in ihre Erinnerung. Fragen wie „Was habe ich dazugelernt?“ oder „Wie bin ich gewachsen im vergangenen Jahr?“ drängen sich dann in den Vordergrund.
In diesem Jahr habe ich die Frage „Was ist das Therapieziel?“ kennengelernt. Sie ist ein Instrument, um den Fokus auf das ursprüngliche Ziel zurückzuführen.

7. Dezember 2018

Diese Frage stammt aus dem ethisch-medizinischen Bereich. Anwendung findet sie vor Allem in palliativen Situationen, wenn keine Heilung mehr in Aussicht ist. Sie ruft die Ausgangslage des Patienten und den ursprünglichen Sinn der Therapie in Erinnerung.

Oftmals werden kurz nach einer eingeleiteten Therapie aufgrund Veränderungen im Krankheitsverlauf wieder neue Maßnahmen erforderlich. Es ergibt sich dann eine Veränderung der Situation, die weitere Entscheidungen nach sich zieht.

Geht die ursprüngliche Zielsetzung verloren, drängen sich andere Dinge auf. Die Frage hilft zu klären was wir in den Mittelpunkt stellen. Sie erörtert was am effektivsten und wie wir das ursprüngliche Ziel erreichen.

Sie lenkt zurück von jenem, was im Moment am heftigsten winkt oder am lautesten schreit. Somit ermöglicht diese Frage eine gute Unterscheidung von wichtig und unwichtig. Sie erinnert uns an unsere eigene Fähigkeit und Möglichkeit zu entscheiden. Wir merken, dass wir der Situation nicht hilflos ausgeliefert sind.

„Was ist das Therapieziel?“ führt wunderbar zurück. Sie bringt wieder das ursprüngliche und bereits abgestimmte Ziel in Erinnerung. Schon Konfuzius wusste: „Wer das Ziel kennt, kann entscheiden. Wer entscheidet, findet Ruhe.“

Die Frage nach dem Therapieziel ist nicht nur bei ethischen Konzilen im medizinischen Bereich hilfreich. Außerhalb der Medizin hat diese Frage eine leicht provokative Note und wirkt eventuell auch befremdend.

In übertragener Weise findet sie in vielen Situationen Anwendung. Zum Beispiel, wenn es um eine neue Ausrichtung geht.

Automatisch lenkt sie den Blick auf die Ausgangslage und das ursprünglich festgelegte Ziel zurück.
Sie regt zur Überprüfung des bisher eingeschlagenen Weges an. Sie zeigt, ob der Kurs noch mit dem Ziel übereinstimmt. Sie wirft Licht auf ein mögliches, neues Ziel, das aufgrund einer neuen Situation angesteuert werden soll.

Wir erkennen durch die Frage nach dem ursprünglichen Therapieziel, wo die Handlungsspielräume liegen. Außerhalb dieser Spielräume erkennen wir das Unvermeidliche. Dies ist für uns nicht zu ändern. Es bedarf unserer Akzeptanz.


Copyright (c) 2018, Astrid Weidner, TriMentor
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